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Andreas Zakostelsky: ,Eine Königsidee ist voll ausverhandelt‘

Das Vorausdenken ist sein Grundprinzip. Er denkt daher schon an die nächste Legislaturperiode. Mag. Andreas Zakostelsky, Generaldirektor der VBV–Gruppe und Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen in der WKO, formuliert im ForumF–Interview konkrete Vorschläge für die Altersvorsorge. Einer davon ist schon mit den Sozialpartnern komplett ausverhandelt.

Mag. Andreas Zakostelsky, Generaldirektor der VBV–Gruppe und Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen in der WKO: „Das Modell ist mit ÖGB und Arbeiterkammer ausverhandelt.“ Und: „Wir werden sicher auch nach der Wahl für unsere Vorschläge offensiv Überzeugungsarbeit leisten.“ © VBV / Richard Tanzer

 

© Fachverband der Pensionskassen

 

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© Fachverband der Pensionskassen

 

© Plattform der Betrieblichen Vorsorgekassen

 

© Plattform der Betrieblichen Vorsorgekassen

 

© Plattform der Betrieblichen Vorsorgekassen

 

ForumF: Bei den immer wieder angekündigten Incentives für die Altersvorsorge über das ASVG–Umlagesystem hinaus ist in den vergangenen Jahren kaum etwas passiert. Haben Sie noch Hoffnung in Richtung 2. und 3. Säule der Eigenvorsorge?

Andreas Zakostelsky: Nicht nur Hoffnung, sondern auch schon konkrete Vorschläge. Zuallererst zur Mitarbeitervorsorge, also zur sogenannten Abfertigung Neu. Wir schlagen vor, dass die in den Mitarbeitervorsorgekassen angesammelten Beträge bei Übertritt in die Pension nahtlos und steuerfrei in eine Pensionskasse eingebacht werden können.

Was sagen die Vertreter der Betroffenen dazu?

Das Modell ist mit ÖGB und Arbeiterkammer ausverhandelt. Die ziehen mit. Legistisch braucht das nur eine Generalklausel im Pensionskassengesetz und daran anschließend die Kommunikation zu diesem höchst einfachen Weg, etwas für die 2. Säule der Eigenvorsorge zu tun. Es ist praktisch eine Königsidee, die wir in den vergangenen Monaten konkretisiert haben.

Aber die Vorsorgekassen verzeichnen doch sehr viele Entnahmen in Form von Cash der angesammelten Beträge bei Arbeitgeberwechsel. Soll sich die Abfertigung Neu als Basis für eine zusätzliche Pension durchsetzen, dann braucht es doch einen beträchtlichen Mentalitätswandel.

Die Ausgangslage ist derzeit so, dass etwa 40 Prozent der Berechtigten den angesammelten Betrag, der sich also aus den 1,53 Prozent der Brutto Lohn- oder Gehaltssumme ergibt, bis zum Pensionsantritt gleichsam in der Vorsorgekassen stehen lassen. Die neue Konzeption würde davon ausgehen, dass grundsätzlich die Liegedauer bis zum Übertritt in die Pension verlängert wird. Für jemanden, der mehr als zwei Monate arbeitslos ist und in finanzielle Engpässe gerät, sollte die Entnahme des angesammelten Betrages zwischenzeitlich durchaus möglich sein. Ich gehe davon aus, dass wir in einigen Jahren dann zu einer Quote von 75 Prozent kommen, die das Geld bis zur Beendigung des aktiven Dienstverhältnisses in den Kassen belassen und dann auf eine Pensionskasse umsteigen. Diese werden dann sofort zu Anspruchsberechtigten und können so mit der Abfertigung Neu eine respektable Basis für ein Zusatzeinkommen im Alter schaffen.

Wie sehen die quantitativen Rahmenbedingungen dazu aus?

In den Vorsorgekassen verwalten wir derzeit insgesamt rund 3,4 Millionen Konnten. Bei etwas mehr als 3,8 Millionen unselbständig Erwerbstätigen ist das eine schon sehr hohe Quote. Zur Jahresmitte sind in den Vorsorgekassen schon 11 Milliarden Euro veranlagt. Die Performance lag dort in den vergangenen Jahren bei 2,5 bis 3 Prozent. Mit einer verlängerten Liegedauer könnte meiner Meinung nach dieses Ergebnis um rund einen Prozentpunkt verbessert werden. Die Garantie kostet in etwa einen weiteren Prozentpunkt. Wenn Sie das zusammenrechnen, dann nähern wir uns den durchschnittlichen Rendite-Ergebnissen, die die Pensionskassen in den vergangenen Jahren erzielt haben. Bei diesen erreicht der Vermögensstock mittlerweile etwas mehr als 23 Milliarden Euro, was immerhin gut 6 Prozent des BIP ausmacht. Das ist im internationalen Vergleich zwar bescheiden, aber da ist Luft nach oben, die wir nützen sollten. Eben auch mit der erwähnten Möglichkeit die Endbeträge aus der Vorsorgekasse bei Pensionsantritt problemlos in eine Pensionskasse überzuführen.

Was machen die Anspruchsberechtigten aus Ihrer Einschätzung derzeit mit den Mitteln aus der Vorsorgekasse?

Was im Zuge der Berufslaufbahn ausbezahlt wird – und das passiert bei der steigenden Berufsmobilität drei oder gar viermal innerhalb der Berufskarriere – wandert in den Konsum. Das reicht vom Reisezuschuss über den Möbelkauf bis zum Flachbildschirm, weil eben große Fußball–Ereignisse anstehen. Ob jene 40 Prozent, die bis zur Pension den Betrag in der Kasse belassen, dann eventuell mit einer Eigenvorsorge beginnen, dazu fehlen uns naturgemäß valide Daten.

Die Vorsorgekassen werden diesbezüglich nicht gefragt, was man tun könnte?

Da müssten wir eine Beratertätigkeit aufstellen, was bei der bewusst sehr schlank gehaltenen Struktur der Vorsorgekassen personell gar nicht möglich wäre.

Sie erwähnten, dass es noch weiter Vorschläge an die nächste Bundesregierung geben wird. Wie sehen die konkret aus?

Die sind primär steuerlicher Natur. Wir wollen zweitens – neben der geschilderten, problemlosen Überführung in die Pensionskassen –, dass in der Betrieblichen Vorsorge die Arbeitnehmerbeiträge im gleichen Ausmaß steuerfrei gestellt werden wie dies bei den Arbeitgeberbeiträgen der Fall ist. Also Parität in der Steuerentlastung. Wer zu wenig verdient, um davon steuerlich etwas zu haben, der könnte anstelle dessen eine Prämie lukrieren.

Drittens schlagen wir vor, dass bei den Arbeitgeberbeiträgen auch die Selbstbeiträge der Unternehmer steuerlich berücksichtigt werden. Dazu ein Beispiel: In einem Tischlereibetrieb arbeiten fünf Personen, einschließlich des Eigentümers, der voll in die Produktion eingebunden ist. Derzeit kann dieser einen Beitrag für die Pensionskasse für sich selbst steuerlich nicht geltend machen. Da ist damals wohl bei der Beschlussfassung ein Redaktionsfehler passiert, denn es gibt dafür keine sinnvolle Begründung. Meiner Meinung nach würde die Beseitigung dieser Schlechterstellung die Bereitschaft in eine betriebliche Altersvorsorge einzusteigen – vor allem bei den KMU–Verantwortlichen – beträchtlich steigern. Es ist ja nicht einzusehen, dass ein Unternehmer für die Mitarbeiter einzahlt, er selbst aber von den steuerlichen Bedingungen ausgeschlossen ist, obwohl er voll im Unternehmen engagiert ist. Das kostet den Finanzminister wahrlich nicht viel, wäre aber gleichzeitig psychologisch ein nicht zu unterschätzendes Incentive für diese so wichtige Säule der Altersvorsorge.

Hoffen Sie, dass die neue Bundesregierung diese Themen in ihr Arbeitsprogramm aufnimmt?

Ja, denn wir schlagen Sinnvolles vor, das leicht umzusetzen ist. Wer den gewohnten Lebensstandard aus dem Aktivleben auch in der Pension lukrieren möchte, der muss eben Vorausdenken und zur ASVG–Grundversorgung, deren Bedeutung keineswegs relativiert werden sollte, etwas an Zusatzeinkommen schaffen. Wir werden sicher auch nach der Wahl für unsere Vorschläge offensiv Überzeugungsarbeit leisten. Aber natürlich haben wir wegen der bekannten politischen Ereignisse wertvolle Zeit verloren. In Wahrheit wohl zwei Jahre… .

Das Interview führte Milan Frühbauer

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