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Gallup & WIFO starten ,Meinungscheck‘ zu Pensionen

Das österreichische Gallup Institut und das Wirtschaftsforschungsinstitut legen eine Studie „Das Pensionssystem im Meinungscheck“ vor: Untersucht wird das Wissen und die Meinung der Österreicher zum Thema „Pensionen“ und mit der Faktenanalyse des WIFO abgeglichen: Die „gefühlte“ Meinung zu Pensionsantrittsalter oder Pensionsdynamik steht durchaus im Widerspruch zu Historie und Prognose der Wirtschaftsforscher.

PK, Wifo
Christoph Badelt, Christine Mayrhuber, Andrea Fronaschütz und Stefan Schiman: „Gallup-WIFO-Meinungscheck ist eine Initiative, um den oftmals emotional und ideologisch erhitzten Diskurs in unserer Gesellschaft zu versachlichen.“ © Johannes Brunnbauer

 

Auftakt zu einem mehr als nur ambitionierten, interessanten Projekt: Das österreichische Gallup-Institut möchte, erläutert Gallup-Gesellschafterin Andrea Fronaschütz im Pressegespräch im Presseclub Concordia, zu gesellschafts- und wirtschaftspolitischen, aktuellen Themen die Meinung und Einschätzungen der Österreicher marktforscherisch fundiert einholen – und mit „evidenzbasierten“ Fakten abgleichen. Partner bei diesem „Meinungscheck“ benannten Themenreigen ist das WIFO; der erste „Meinungscheck“ zum Thema „Pensionen“ offenbart, so Fronaschütz und WIFO-Leiter Christoph Badelt, „einige Pensionsmythen“.

Die Grundlage

„Wir wollen“, erläutert Fronschütz, „zu aktuellen Themen die Einschätzungen, möglicherweise Mythen, möglicherweise auch pessimistische (Verschwörungs-)Theorien nach allen regeln der Kunst mit den Fakten abgleichen.“ Gallup befragte 1.000 Österreicher, repräsentativ für die Bevölkerung ab 14 Jahre (2/3 face-to-face in persönlichen Interviews, ein Drittel Online), zu Durchschnittslohn, Pensionshöhe, Pensionsantrittsalter; das WIFO gleicht die Einschätzung des Ist-Zustands mit seinen Daten (samt Historie) ab. In einem zweiten Teil werden die mit einem Zeitraum von 40 Jahren prognostizierten Erwartungen des Publikums mit den Prognosen der Wirtschaftsforscher abgeglichen.

„Der erste Gallup-WIFO-Meinungscheck zum Thema Pensionen zeigt, dass sich die Bevölkerung bei der vergangenen und prognostizierten Faktenlage zum österreichischen Pensionssystem teils deutlich verschätzt“, erklärten Badelt und Fronaschütz als Ergebnis: „Bei der Rückschau auf die vergangenen vier Jahrzehnte liegt die Bevölkerung vor allem bei der Entwicklung des Pensionsantrittsalters, der Lohn- und Pensionsdynamik und der Kaufkraft daneben“, so die WIFO-Pensionsexpertin Christine Mayrhuber. „Im Blick nach vorne bis 2060 klaffen Meinung und Prognose etwa beim Anstieg des tatsächlichen Pensionsantrittsalters deutlich auseinander – besonders pessimistisch wird der monetären Entwicklung entgegengeblickt. Die Befürchtung starker Preissteigerungen ist weit verbreitet“, ergänzt der WIFO-Prognoseverantwortliche Stefan Schiman.

Pensionen sinken? Nein, real +1,3 Prozent jährlich!

Ein Fünftel der Bevölkerung geht von einer Stagnation und ein weiteres Fünftel sogar von einem Sinken der durchschnittlichen Alterspension in den letzten vier Jahrzehnten aus. Nur 6 Prozent sagen, dass es einen starken Anstieg gegeben hat. Etwas weniger als die Hälfte (46 Prozent) meint, dass die Pensionen „etwas“ gestiegen sind. Tatsächlich, so die WIFO-Analyse auf Datenbasis, ist die Alterspension, sie lag 2018 bei durchschnittlich (Männer + Frauen) 1.324 Euro brutto im Monat, zwischen 1978 und 2018 real um 1,3 % pro Jahr gestiegen!

In die Zukunft geblickt gehen die Österreicher von einem deutlichen Anstieg des tatsächlichen Pensionsantrittsalters in der Zukunft aus. Sie erwarten, dass Männer 2060 im Durchschnitt mit 67,3 Jahren und Frauen mit 64,3 Jahren ihre Pension antreten werden. Der Anstieg des tatsächlichen Pensionsantrittsalters wird damit von der Bevölkerung im Vergleich zur langfristigen WIFO-Prognose überschätzt, erklärt der WIFO-Prognoseverantwortliche Stefan Schiman. Erwerbsprognosen ergeben, dass das tatsächliche Pensionsantrittsalter der Männer von aktuell 61,5 Jahre langfristig um bis zu 2 Jahre steigt, jenes der Frauen von 59,4 Jahre um bis zu 4 Jahre.

Auch wird die bis 2060 prognostizierte Inflation von der Bevölkerung überschätzt: Die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) glaubt, dass die Preise langfristig „stark ansteigen“. Das WIFO geht hingegen von einem leichten Anstieg von 2 % pro Jahr aus, der, so Badelt, „historisch gut begründet ist“. Schließlich lag der Anstieg der Verbraucherpreise seit dem EU-Beitritt im Durchschnitt sogar unter 2 % pro Jahr.

Weitere Themen im Meinungscheck geplant

Mit dem Gallup-WIFO-Meinungscheck starten das Österreichische Gallup Institut und das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) eine Initiative, um den, so Fronaschütz und Badelt, „oftmals emotional und ideologisch erhitzten Diskurs in unserer Gesellschaft zu versachlichen“. Bei der gemeinsamen Untersuchungsreihe soll die Meinung (und das Wissen) der Österreicher zu volkswirtschaftlichen Themen von Gallup erhoben und evidenzbasierten Informationen nach Analyse des WIFO gegenübergestellt werden. Zum Auftakt wurden die Ergebnisse zum österreichischen Pensionssystem präsentiert. Es sollen Untersuchungen zu den Themen Abgabenquote, Pflegevorsorge sowie Klimapolitik und Ökosteuern folgen, avisieren Fronaschütz und Badelt. (hs)

Download der 14seitgigen Präsentation „Das Pensionssystem im Meinungscheck“ hier.

Download eines 8seitigen Papers mit Gegenüberstellung von Gallup-Erhebung und WIFO „Evidenzcheck“ hier.

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