„Echtes Differenzierungsmerkmal oder grüner Anstrich?“

FMVÖ-Podium: Lisa Simon, Monika Bäumel, Laurenz Faber, Andrea Stürmer, Fritz Fessler, Peter Eitzenberger, Werner Schediwy: „Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Generalthemen, die Alles und Jeden betreffen – und die Massnahmen werden nur dann greifen, wenn die Politik entsprechende – nachhaltige! – Rahmenbedingungen setzt!“
© Christoph Kerschbaum

FMVÖ-Podium: Lisa Simon, Monika Bäumel, Laurenz Faber, Andrea Stürmer, Fritz Fessler, Peter Eitzenberger, Werner Schediwy: „Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Generalthemen, die Alles und Jeden betreffen – und die Massnahmen werden nur dann greifen, wenn die Politik entsprechende – nachhaltige! – Rahmenbedingungen setzt!“

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In der Auftaktveranstaltung Anno 2020 diskutiert der FMVÖ „Green Finance“/Nachhaltigkeit als erstes Forum zum Generalthema des Jahres, „Nachhaltigkeit der Finanzbranche“: „Der Lackmustest beim Thema Nachhaltigkeit ist das Kerngeschäft!“, also auch die Kundensicht - die wird der FMVÖ-Recommender 2020 in einem eigenen Fragenkomplex erheben.

„Das soll das Kick‐off zum Generalthema des Jahres werden“, umreisst FMVÖ‐Präsident Erich Mayer, im Brotberuf Geschäftsführer Bank Austria Finanzservice GmbH, das Thema der Auftaktveranstaltung im heurigen Jahr: Banken und Versicherungsinstitute haben „einen entsprechend großen Einfluss auf die Verwendung von Geldern. Mit ihren Veranlagungskriterien und Kreditbedingungen für unterschiedliche Sektoren lenken sie deren Entwicklung und Nachhaltigkeitswirkung mit. Sie bewegen einen Großteil der Geldflüsse in allen Bereichen des Lebens, leisten einen wichtigen Beitrag zu sozialem Wohlstand und Wirtschaftswachstum und entscheiden mit, ob dieser im Einklang mit Natur‐ und Klimaschutz steht“, so Mayr, das sei auch „Verantwortung für Kunden, Mitarbeiter, der Gesellschaft“ – und könne sich bis in die Produktgestaltung ausdrücken. Beim FMVÖ‐Recommender 2020, der Galaabend findet am 26. Mai statt, wird eigens eine Fragebatterie, wie Kunden von Banken und Versicherung diese „nachhaltige und soziale Verantwortung“ wahrnehmen und einschätzen.

Zurück zu Kick‐off in der Aula der Zurich Versicherung am Wiener Schwarzenbergplatz am 24. Februar: Ist diese „Verantwortung“ nicht auch ein Deckmantel? Ist Nachhaltigkeit ein Differenzierungsmerkmal? Ist das Thema relevant? Und wo stehen Banken und Versicherungen? Das Jahresmotto des FMVÖ „Nachhaltigkeit der Finanzbranche“ (wichtig: nicht allein „in“ der…) nimmt Key‐Note‐Speakerin Lisa Simon, WWF Österreich, gleich beim Titel ihres Vortrags geschickt auf: „Geld bewegt Klimaschutz“ (Download der 8‑seitigen Präsentation „Geld bewegt Klimaschutz“). Der WWF hat 2018/2019 ein nach komplexen Kriterien erstelltes Rating der zehn umsatzstärksten österreichischen Banken durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass die österreichischen Banken bestenfalls im Mittelfeld stehen, was eine systematische Integration von Nachhaltigkeitskriterien betreffe – weit entfernt von „Visionär“ oder „Vorreiter“. „Es geht nicht um kleine Stellschrauben sondern vielmehr um große Strategien, die umgesetzt werden müssen. Ökologische und soziale Standards müssen im Kerngeschäft integriert werden”, so das Fazit von Simon. Der Finanzmarkt, so Simon, sollte „Visionäre“ schaffen, die „generationenübergreifend arbeiten. Das ist kein Selbstzweck oder Marketing sondern Mehrwert für Mensch und Natur“, sagt Simon, und fügt an: „Bitte rasch damit beginnen!“

Unter der Leitung von Werner Schediwy, FMVÖ‐Vorstandsmitglied (und im Brotberuf Inhaber der Beratungsagentur denconsult.com) diskutierten Monika Bäumel, Leitung Kommunikation Volksbank Wien, Peter Eitzenberger, CSR‐Beauftragter, Leiter Vertrieb / Kundenservice & Kundenkommunikation VBV, Laurenz Faber von Fridays for Future, Fritz Fessler Vorstand Genossenschaft für Gemeinwohl, Key‐note‐Speakerin Lisa Simon und als Gastgeberin Andrea Stürmer, CEO Zurich Versicherungs Aktiengesellschaft.

Christoph Kerschbaum

Volksbanken‐Bäumel und Zurich‐Stürmer haben die Nachhaltigkeit weit über das Marketing hinaus bereits in ihren unternehmen verankert: Die Volksbanken geben einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht und ist, so Bäumel, „in Transformation“ das Thema Nachhaltigkeit als Qualitätsstempel zu setzen; die Zürich Versicherung, berichtet Stürmer, sieht Nachhaltigkeit nicht als Wettbewerbskriterium, „sondern Teil der gesellschaftlichen Verantwortung“ – beispielsweise wolle das Unternehmen, Gründungsmitglied der von der UN einberufenen „Net‐Zero‐Asset‐Owner‐Alliance“ bis 2050 CO‐2‐neutral agieren (und investieren); von den 92 Fonds der Zurich seien aktuell 21 als nachhaltig einzustufen (samt Gütesiegel des Forum Nachhaltige Geldanlagen FNG, dem Europäische Transparenzlogo für Nachhaltigkeitsfonds EUROSIF sowie das Österreichische Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte und Zertifizierung durch den Finanzdatenanbieters Mountain View).

VBV‐Eitzenberger kann darauf verweisen, dass die Vorsorgekasse bereits im Jahr 2003 Nachhaltigkeit in ihren Investmentprozess integriert hat: Mit einer umfassenden ESG‐Strategie (ESG = Environmental, Social und Governance) setze die VBV „kontinuierlich Maßnahmen für nachhaltiges Investment: Zum Beispiel die Unterzeichnung des Montreal Carbon Pledge Abkommens im Jahr 2016 und die damit einhergehende Verpflichtung als erste österreichische Pensionskasse, den CO2‐Fußabdruck der Aktieninvestments jährlich zu messen und zu veröffentlichen“. Zudem habe sich die VBV‐Pensionskasse 2017 als Unterzeichner der UN–Principles for Responsible Investment (UN PRI) verpflichtet, nachhaltige Aspekte in ihrem Investmentprozess zu berücksichtigen und zu integrieren. Auch die vollständige Umstellung des größten österreichischen Aktien‐Spezialfonds auf „Low Carbon“ war ein wichtiger Schritt, der der heutigen Zeit um Jahre voraus war, so Eitzenberger. Freilich, räumt er ein: Die VBV wurde erst im Jahr 2002 gegründet, da fehlten die „Altlasten“. Aber eines sei, neben allen internen Anstrengungen zum Thema „Nachhaltigkeit“, auch klar: „Der Lackmustest ist das Kerngeschäft!“

Ob es angesichts dieser Beispiele überhaupt noch eine eigene Genossenschaft für Gemeinwohl brauche, wollte Werner Schediwy von Fritz Fessler, Vorstand der Genossenschaft für Gemeinwohl, wissen. Laut Fessler seien Genossenschaften nach der Philosophie „Hilfe zur Selbsthilfe” gegründet worden, allerdings sei dieser Gedanke zum Teil verlorengegangen. Genau dort setze man mit dem zusammen mit dem Umweltcenter der Raiffeisenbank Gunskirchen ins Leben gerufene Produkt an: „Das erste Gemeinwohlkonto Österreichs ist ein vollwertiges Girokonto bei dem das Guthaben Gutes tut. Kundinnen und Kunden haben eine geprüfte Garantie, dass in derselben Höhe ihrer Guthaben die Bank ökologische und soziale Finanzierungen in der Realwirtschaft tätigt. Mehr Transparenz und sinnstiftende Geldverwendung ist für immer mehr Menschen ein Thema.”

Einen beachtlichen Auftritt legte der Vertreter der „Friday-for-future“-Bewegung, Laurenz Faber, Matura‐Aspirant, hin: „Wir müssen unseren Geist von Einzelmassnahmen befreien. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind Generalthemen, die Alles und Jeden betreffen – und die Massnahmen werden nur dann greifen, wenn die Politik entsprechende – nachhaltige! – Rahmenbedingungen setzt!“

Siehe Bilderstecke und Bericht auf der FMVÖ‐Homepage.

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